Ein Engel

Dieser kleine Engel, er war ganz besonders, das wusste sein Herr schon früh. Und jeden Tag bestätigte es sich aufs neue. Denn jeden Tag kam der Engel zu seinem Herren und stellte diese eine Bitte: “Hallo mein Herr, ich bitte dich, mach mich zu einem Menschen und schicke mich zu ihnen auf die Erde. Und sei es nur für einen Tag.” Jener aber schüttelte nur mit dem Kopf und antwortete: “Nein, das kann ich heute nicht tun, ich werde morgen darüber entscheiden.” Doch wie Engel so sind, vergaß dieser sofort wieder die Begegnung und am nächsten Tag kam es ihm vor, als würde er diese Bitte zum ersten Mal vortragen.

Als sich der Engel auf den Tag zum hundertsten Jahr bei seinem Herren zeigte und ihn bat, da antwortete er: “Du weißt es nicht, aber du bist seit hundert Jahren jeden Tag zu mir gekommen und hast mich um diesen Gefallen gebeten. Seit hundert Jahren verspreche ich dir, dass ich am folgenden Tag darüber entscheiden werde. Heute wird es anders sein. Heute werde ich entscheiden. Du hast gezeigt, dass dein Herz einen Wunsch nicht mehr vergisst, selbst wenn es dein Kopf bereits getan hat. Keinen einzigen Tag sollst du mich noch fragen müssen, denn du hast dir deinen Wunsch verdient. Behalte diese Art in deinem Herzen und zeige den Menschen damit, wie sie auf ihr Herz hören können.”

Und so wurde der Engel zu einem Menschen. Sein Herr blickte jeden Tag zu ihm und sah, wie er an manchem Tag verzweifelte und an manchem Tag glücklich war. Aber er erkannte, dass er auch als Mensch seinem Herzen folgte.

Naziparolen und unschöne Wahrheiten

Ja, das ist irgendwie Deutschland. Man sieht Fußball, man lebt Fußball, man liebt oder hasst es. Ich für meinen Teil interessiere mich nicht dafür und gönne den Fans ihren Spaß dabei. Heut morgen erst erklärt sich mir, was ich letzte Nacht noch unverständlich empfand. Wir gingen aus dem Club und vor uns tanzten betrunkene Typen jenen Tanz, der gerade diskutiert wird. Eine Seite regt sich auf, eine weiter regt sich über die auf, die sich aufregt. Mir wärs herzlich egal gewesen, wenn nicht letzte Nacht jene Betrunkenen noch eine Naziparole beigefügt hätten. Ein wunderschöner Abend wurde in jenem Moment zerstört. Bei den Typen stimmt eh etwas nicht, das ändert auch kein Tanz des Fußballteams. Aber er gibt den Affen Futter und genau das durfte ich gestern erleben.

Eine weitere Begebenheit trug sich in meiner Stadt zu, als sich eine offenbar nicht mitteleuropäisch aussehende Frau über den Sieg Deutschlands freute und irgendeine Weichbirne zu ihr meinte, dass sie sich gar nicht über den Sieg freuen dürfte. Da ist er also, der kleine Nazi, der sich hier und dort versteckt und den ich einfach nicht dulden kann.

Ich empfand mich als Deutschen immer besonders, weil wir aufgrund unserer Geschichte in manchen Dingen ganz anders handeln, als es andere Nationen tun, die mit Stolz auf sich blicken. Diesen Stolz hatten wir verloren und bekamen dafür etwas geschenkt. Eben jene andere Perspektive. Eine, die nach Frieden sucht und nicht nach Nationalität. Na klar gab es da immer die am Rand… oder besser gesagt jenen braune Rand, der eben übrig bleibt, wenn man den leckeren Kaffee ausgetrunken hat und der sich dann langsam auf dem Tisch festsetzt. Ein Rand den man mit viel Mühe entfernen kann, der aber immer wieder auftauchen wird, solange man Kaffee trinkt und warum sollte man damit auch aufhören.

Ich habe auch weiterhin keine Lust auf eine Diskussion über das Feierverhalten der deutschen Fußballmannschaft. Hätte ich nie gehabt. Aber mir wurde gestern ein wunderschöner Abend zerstört und ebenso das Feiergefühl einer jungen Frau, die wohl einfach ein Fußballspiel genießen wollte. Viele meiner Freunde haben sich über schöne Spiele einer Weltmeisterschaft gefreut. Sie genossen Fußballspiele und hatten ihren Spaß. Jenen Freunden möchte ich den Spaß nicht verderben, denn um die geht es mir nicht. Sie haben mit den verschiedensten Teams mitgefiebert und daran kann ich nichts schlechtes finden, und ich will es auch gar nicht.

Kleiner Hinweis

WordPress hat uns ja einen neuen Editor beschert, den ich übrigens gar nicht verkehrt finde. Ein wenig überrascht war ich dann doch eben, als ich meine Tags per Komma-Trennung eingab und feststellte, dass sie dadurch nicht übernommen werden. Nein, die müssen einzeln mit Enter gesetzt werden. Mir gefällt das sogar besser, aber es ist neu und auch je nach Editor (also Schnelleditor vs. Dashboardeditor) unterschiedlich. Also achtet darauf, nicht dass es euch wie mir ergeht und ihr so einige Einträge nach-taggen dürft.

Der Ritter

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Als ich erwachte, blickte ich in deine Augen. Der Wecker hatte noch nicht geklingelt und so nahm ich mir die Zeit, mich in ihnen zu verlieren. „Bist du schon lang wach?“, fragte ich dich und du schütteltest nur leicht mit dem Kopf und meintest: „ Ich wollte nur meinen Ritter betrachten.“ „Deinen Ritter? Ich? Was macht mich denn zu einem Ritter?“ „Ein Ritter beschützt und rettet und du hast mich heut Nacht beschützt und damit meinen Schlaf gerettet.“

So ritterlich kam ich mir gar nicht vor. Wir waren nebeneinander eingeschlafen, ich zumindest war schon fast vollkommen in meinen Träumen angekommen, als mich etwas ins Wache zog. Ich blickte nach rechts zu dir und sah, dass du nicht schlafen konntest, so wie es immer mal wieder geschah. Ich kann nur erahnen, was dann in dir vorgeht.

Meinen Blick löste ich, um eine Kerze auf dem Nachttisch anzuzünden und tat, als könnte auch ich nicht schlafen, aber du wusstest eh, dass ich zuvor bereits friedlich weggedöst war. Ich holte die zweite Decke von der Kommode und legte sie dir in den Rücken, danach bot ich meinen Körper zum ankuscheln an. Deinen Kopf legtest du auf meinem Bauch und deine Schulter bot sich mir, um darüber zu streicheln bis ich spürte, dass du ruhiger wurdest.

Ich griff nach einem Buch und begann eine Geschichte vorzulesen. Eine Geschichte, die wohl ein wenig zu viel für ein Kind gewesen wäre, aber dennoch mit der gleichen Liebhaftigkeit geschrieben war, die man früher zu hören bekam. Am Ende der Geschichte schliefst du tief und fest. Ich legte das Buch zur Seite, löschte die Kerze mit den Fingern und schlief neben dir ein, denn ich fühlte mich beschützt von dir, meiner Ritterin.

Um ein Haar

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Wo kommt das lange Haar vor mir her? War die Frau aus meinem Traum doch real? Ich bin doch letzte Nacht allein ins Bett gegangen. Dann war da dieser Traum. Eine Zusammenkunft von Menschen und ich bekam Ohrfeigen aus den verschiedensten und unsinnigsten Gründen. Und dann war da jene Frau, sie war sauer auf mich. Nur weswegen? Ich kannte sie nicht und ich war wütend, weil sie sauer war. Als ich es mit ihr klären wollte, ohrfeigte auch sie mich und ich drohte ihr: “Das ist jetzt schon die dritte heut Abend. Klatsche mir noch eine und ich küsse dich.” Sie hielt inne und ihr Gesichtsausdruck verlor nicht ein Stückchen von dem sauren Ausdruck. Dann fuhr ihre Hand wieder hoch in mein Gesicht. Ich lachte, denn es war so sanft, dass man denken könnte, so wohl nur einen Geist ohrfeigen zu können. “Naja”, entgegnete ich ihr, “der Versuch zählt.” Und ich küsste sie. Und nun liegt wohl das lange Haar zwischen meinen Füßen auf den weißen Fliesen. Wie hat es den Weg aus dem Traum geschafft und wo ist die Süße des Kusses in meinem Mund hin verschwunden?

rainy nights

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Es war doch gar keine schlechte Idee, jenes Date doch noch anzugehen, welches eigentlich hätte ausfallen sollen. Wir suchten nach einer ruhigen Stelle, doch die sollte es an diesem Abend einfach nicht geben und der Regen hätte erfrischend sein können, aber stattdessen erschlug er uns fast. Die letzten Meter bis zu meiner Wohnung rannten wir noch immer, obgleich wir schon vollkommen durchnässt waren, was bei den dünnen Sommerklamotten auch kein schweres Unterfangen darstellte.

„Ich muss dringend aufs Klo, aber du darfst gern zuerst, wenn du willst.“, sagte ich zu dir und du verneintest. Auf der Toilette zog ich mir das nasse Hemd aus und ebenso die Socken. Die Jeans und die Unterhose wollte ich im Schlafzimmer direkt wechseln, doch zuvor wollte ich nach dir schauen. Das Wohnzimmer war dunkel, was mich wunderte, doch ich sollte gar nicht erst bis dorthin kommen, denn zuvor traf mich von links ein nasses Stück Stoff.

Und da saßt du. Auf meiner Anrichte. Die ich erst einige Stunden zuvor von manchen dreckigen Tellern und Gläsern befreit hatte. Es fiel ein wenig Licht von der Straßenlampe durchs Fenster und zeichnete deine Konturen nach. Nackt, bis aufs Höschen, aber die Einladung war zu eindeutig, als dass das bisschen Stoff noch lange an dir kleben würde. Meine Jeans kämpfte hingegen ein wenig hartnäckiger, aber letztendlich erfolglos und die Shorts waren nun wirklich kein Hindernis mehr.

Eigentlich wollte ich es schon immer mal an dieser Stelle ausprobieren, weil sie höhentechnisch perfekt zu sein schien, aber wie das so ist mit den Wünschen und Ideen, manchen läuft man hinterher und sie passieren doch erst dann, wenn man absolut nicht damit rechnet und ehrlich gesagt trifft das auf die gesamte Situation zu. So richtig bequem war es nicht, aber zu erregend, um die Position zu verändern, bis irgendwelche Idioten das Grölen anfingen. Ein Blick über deine Schulter und es war klar, dass sie uns anfeuerten. Verdammte Fußballfans.

Es brauchte keine Worte, denn mein Griff unter deinen Po und um den Rücken, sowie das Anheben deines Körpers verstandst du sofort als Aufforderung, deine Beine stärker um meine Hüfte zu legen, damit ich dich ins Schlafzimmer tragen konnte, fernab von grölenden Fans und einer Tischkante, die dir durchweg in den Po schneiden musste. Zumindest ließ es der rote Strich erahnen, den ich kurz darauf entdecken durfte.

Das gleiche Paar Schuhe

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“Hey, dich kenn ich doch.” rief ich dir hinterher, nachdem du an mir vorbei gegangen warst. Der Kerl neben dir könnte dein Freund sein, aber wenn nicht, dann wär ich auch nicht traurig und die Frau neben mir ist ja auch nicht meine Freundin. Du drehtest dich um und überlegtest. Du brauchtest Hilfe, aber dein freundlich fröhliches Gesicht hattest du bereits aufgesetzt, und ich mein grinsendes. Ich stellte meinen rechten Schuh neben deinen mit der Bemerkung: “Na gut, eine kleine Hilfe geb ich dir.”

Es war der gleiche Schuh. Deiner war schon ein wenig abgenutzter als meiner, aber das war er auch bei unserem letzten Treffen. Die Party war schon vorbei und erst da fand ich dich. Hätte man mir aber auch sagen können, dass ich dich hätte suchen sollen. Als wir gingen, hatte ich meine Schuhe schon an und du stelltest fest, dass wir Schuhpartner seien. Mir waren deine bereits bei meiner Ankunft aufgefallen und nun wusste ich, warum ich in dem Moment die Trägerin kennenlernen wollte.

Und so standen wir nun wieder nebeneinander und trugen das gleiche Paar Schuhe. Ich verabschiedete mich mit den Worten: “Dann sehen wir uns bald wieder auf der nächsten Feier.” Vielleicht stellen wir unsere Schuhe dann nebeneinander und sitzen ebenso eng zusammen, um den Musikern zu lauschen. Und wer weiß, vielleicht gleichen sich unsere Herzen wie unsere Schuhe. Eines mag etwas lädierter sein und eines etwas kleiner. Aber ein schönes Paar geben sie sicherlich ab.

Der perfekte Moment

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Wir suchen ja immer wieder nach dem perfekten Moment. Den perfekten Moment, um etwas zu beichten zum Beispiel. Aber ich suche doch einen anderen perfekten Moment. Er ist ähnlich verrückt, wie die Suche nach dem perfekten Partner, aber dennoch realistisch. Und mal so gefragt: Eine perfekte Partnerschaft, was genau könnte das sein und wenn man es hat, müssen dann die Beiden ab dem Zeitpunkt unverändert bleiben?

Nein, mir genügt der perfekte Moment. Und damit verlange ich schon eine ganze Menge. Es gibt diesen perfekten Moment durchaus und immer mal wieder. Würde man mich nach dem einem perfekten Moment fragen, so wüsste ich ihn sofort. Das ist doch eigentlich unsinnig oder? Aber doch, ich könnte ihn benennen. Und sollte es nach dem Tod noch ein Leben geben, dann wünschte ich mir, dass es jenes Gefühl ist, was ich in jenem perfekten Moment empfand.

Womöglich sollte ich schauen, wann ich so empfand und wenn ich das tue, dann finde ich weitere perfekte Momente. Momente, in denen zwei Menschen absolut gleich empfanden. Zwei Menschen, die nur für diesen einen Moment zu einem wurden. Es geht mir nicht um Sex oder um einen Kuss, sondern um das gleiche Empfinden in zwei Personen. Natürlich kann es Sex sein oder ein Kuss, aber ebenso eine Berührung oder einfach nur das Gefühl, angekommen zu sein in einem anderen Menschen. Warum eigentlich „einfach nur“?

Vor einiger Zeit hatte ich einen solchen Moment. Zwei Menschen, die spürten, dass da mehr ist – dass da etwas ist. Und ich frage mich, wonach wir eigentlich suchten und ob wir damals das Schicksal herausforderten und ihm befahlen, noch einen weiteren Moment zu bekommen, bevor wir uns wagten. Denn das ist das Problem: Wenn wir ein Leben lang nach dem perfekten Moment suchen, dann leben wir ein Leben voller verpasster Chancen.

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