(K)eine einfache Lösung

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Wo fange ich diesen Text nur an? Fange ich ihn bei dem Artikel aus „Der Spiegel Online“ an, welcher behauptet, dass Political Correctness den Aufstieg der AfD befeuerte oder bei Herrn Seehofer, der Frau Merkel die Schuld für ihr Erstarken gibt?

Ich erinnere mich an zahlreiche Posts kurz vor den drei Landtagswahlen im März. Viele meiner Facebook-Freunde wiesen auf die bis dato bekannt gewordenen „Inhalte“ der AfD und bemerkten, dass man solch eine Partei nicht wählen könnte. Viele schrieben auch davon, dass der AfD-Wähler offensichtlich keine Ahnung von diesen Punkten haben könnte, sonst würde er sie nicht wählen. Das mag sogar stimmen, aber wie viele derer, die dies schrieben oder die dem zustimmten, haben das Parteiprogramm der Partei gelesen, die sie selbst wählen? Hinter wie viele Aussagen ihrer gewählten Vertreter können sie sich stellen?

Ist die AfD deswegen für mich wählbar? Nein, ist sie nicht, aber seien wir doch alle mal ganz ehrlich, wir mögen simple und direkte Antworten. Es gibt aber auf jede Frage mehrere Antworten und es gibt für jeden von uns eine eigene Realität, welche eine Antwort als richtig erscheinen lässt, selbst wenn für eine andere Person eine andere Antwort stimmt. Es gibt für multikausale Probleme keine simplen Lösungen, das ist uns allen bewusst, aber unsere Vernunft setzt zu gern aus und ich gebe dafür ein Beispiel: Ich kann eine Person, die sich offen gegen Asylsuchende stellt, ausgrenzen. Ich mache das aus guten Gründen, denn ich werde vermutlich kein Verständnis für ihre Argumente aufbringen können. Somit entstehen aus zwei Menschen, die sich ansonsten mit ihren Ideen befruchten könnten zwei Gegner, die schwer zu einen sind. Ich las erst neulich von einem schönen Gegenbeispiel, bei dem ein ehemaliger NPDler Dank einer Panne die Bekanntschaft mit einem Priester aus Kanada machte, durch den er in Kontakt mit Geflüchteten und mit seiner Frau (aus Uganda) kam (ich finde den Artikel nicht mehr und frage mich, ob der womöglich doch nur erdacht und mittlerweile gelöscht wurde. Wer weiß). Ich erkenne in diesem Ansatz ein höheres Potenzial für die Menschheit und somit auch für mich.

Worauf will ich eigentlich hinaus? Aufs eigene Denken. Der AfD-Wähler (da haben wir natürlich schon das erste Problem: Verallgemeinerung) ist ebenso wenig ein dummer Mensch, wie der Rest der Bevölkerung. Er hinterfragt Prozesse und stellt fest, dass etwas nicht so ist, wie es seiner Meinung nach sein sollte. Daran ist absolut nichts falsch. Was er und leider auch wir falsch machen ist der Umgang mit diesem Umstand. Wir alle nutzen selten unsere Fähigkeiten zum Urteilen und Verbessern einer Situation. Nehmen wir das Beispiel von Geflüchteten:

Lösung 1: Wir beauftragen andere Staaten sich des Problems anzunehmen (funktioniert innenpolitisch schon seit Jahrzehnten)
Lösung 2: Wir schließen unsere Grenzen (auch das dürfte innenpolitisch funktionieren)
Lösung 3: Wir versuchen im Heimatland der Geflüchteten zu helfen und zu befrieden
Lösung 4: Wir blicken auf uns selbst und handeln entsprechend.

Lösung 1, 2 und 3 sind bekannt und sind politisch möglich, damit das Problem aus deinem und meinem Blickfeld verschwindet. Lösung 4 ist aber diejenige, die wir alle nutzen sollten, wenn wir selbst wirklich human leben wollen. Ich war immer gegen Sklaverei und Kinderarbeit und kaufte gleichzeitig bei H&M ein. Das geschah nicht aus Unwissenheit, sondern aus Ignoranz. Das schmeckt jetzt keinem und wir können alle schnell eine Rechtfertigung finden: Geld. Manch ein Mensch kann sich tatsächlich kaum etwas anderes als billige Ware leisten, aber geht es den meisten von uns so? Wir mischen uns durch unser Konsumverhalten in gesellschaftliche Verhältnisse anderer Staaten ein. Ich bin deswegen auch kein großer Fan von Spenden, denn wie komme ich zu dem Geld für Spenden und warum kam es zu mir und nicht von vornherein schon zu der Person, für die ich nun spende? Die Politik hat versagt. Ein Schuldiger ist gefunden und ich kann mich verärgert aber entspannt zurücklehnen, richtig?

Ich möchte diesen Eintrag mit einem letzten Beispiel beenden. Jan Böhmermann ist wieder in aller Munde, denn er hat die fiesen Machenschaften von „Schwiegertochter gesucht“ aufgedeckt. Oh welch ein Held er ist. Ja, ist er oder könnte er sein, wenn wir selbst einmal wieder bemerken würden, dass wir es selbst sind, die solch eine Show überhaupt entstehen und bestehen lassen. Den Feind erkannt, den Feind benannt, den Feind verbannt. Klappt leider nicht, weil wir selbst diejenigen sind, die solch ein Format ungestört zulassen und uns sogar darüber amüsieren. Ich habe mir DSDS nur zu gern angeschaut und darüber gelacht, wie die Leute fertiggemacht wurden. Was dann später in der Show geschah, interessierte mich nicht mehr. Die Show geht jedoch nicht vor die Hunde, weil sie einen falschen Umgang mit Menschen hat, sondern weil es den Zuschauern zu langweilig wird. Herr Böhmermann kann tatsächlich ein Held sein, wenn er uns nach solch einem Skandal den Spiegel vor Augen hält, der uns bewusstmacht, was wir da tun. Er sprach in seiner Show von den RTL-Zuschauern, er sprach nicht von seinem Publikum und erstrecht nicht von sich selbst. Da muss aber jeder von uns anfangen.

Man ist nicht immer selbst schuld, es sind jedoch nur selten die Anderen.

Fünf Namen

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Ich hätte sie gegen das Licht und unter ihren Haaren kaum erkannt, aber da stand sie vor mir und wäre fast vorbeigelaufen, weil sie glaubte, dass ich sie absichtlich nicht erkannt hätte. Zumindest las ich das in ihrem Gesicht. Ihre Haare waren gar nicht lang, aber es war ein gewaltiger Unterschied zu den drei Millimetern, mit denen ich sie das letzte Mal gesehen hatte. Es musste schon mindestens ein halbes Jahr her sein, womöglich gar ein ganzes, als ich sie das letzte Mal sah und die Haare zeugten davon, wenngleich sie dank ihrer Locken wohl weit weniger lang wirkten, als sie tatsächlich waren. Es war einer der ersten warmen Tage im Jahr und ich wollte die letzten Sonnenstrahlen auf den Stufen zu unserem Wohnhaus auf meiner Haut spüren. Sie lief vorbei und sah mich an, ich blickte zurück, erkannte aber kaum mehr als einen Umriss von ihr, weil die Sonne so tief stand und mir direkt ins Gesicht schien. Die erste Frage war mehr als logisch: „Was verschlägt dich denn in die Ecke hier?“ „Nun, ich wohne gleich in der nächsten Straße“, antwortete sie und erklärte mir den Weg zu ihrem Haus. Sie hatte den direkten Blick auf den Friedhof, ich war nur Nutznießer seiner Ruhe. Als sie erklärte, dass sie schon lange dort wohne, war ich überrascht: „Ich wohne seit August hier. Ich habe dich auch mal auf vorbeilaufen gesehen, aber ich kam nicht auf die Idee, dass du gleich um die Ecke wohnen würdest.“ Sie lächelte nur und ich lächelte mit ihr. Die ersten warmen Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht in diesem Jahr, das erste warme, strahlende Lächeln.
Ich wollte sie einige Tage später besuchen, denn die Hausnummer hatte sie mir gesagt. Nur ihr Nachnahme, der war mir unbekannt. Und so stand ich vor ihrem Wohnhaus und sah auf 14 Klingelschilder. Einige waren mit mehreren Namen versehen, die schieden sofort aus. Andere kürzten ihren Vornamen mit einem Buchstaben ab und ein L war nicht dabei. Es blieben schlussendlich fünf Namen übrig, doch statt wild zu klingeln fragte ich das Mädchen, welches soeben das Haus betrat, ob sie eine Lena kennen würde. Sie schüttelte nur den Kopf. Fünf Namen also waren es, die es kennenzulernen galt.

Warum eigentlich?

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Warum eigentlich darf man sich nicht beschissen fühlen? Die Frage muss man erst einmal sacken lassen und darüber nachdenken. Überlegt mal, wie schnell ihr damit aneckt, wenn ich euch einfach vom Leben oder von was auch immer gefickt fühlt und das der Außenwelt zeigt, indem ihr euch zurückzieht und nicht jedem Menschen einen schönen Tag wünscht. Da wird man komisch angeschaut und soll sich erklären oder noch besser, mal wieder lächeln, weil dann… ja dann geht es einem ja wieder besser.
Warum wohl antworte ich schon automatisiert auf die Frage wie es mir geht? Weil die Leute nichts anderes hören wollen, nur warum fragen sie dann? Ich fühle mich gerade nicht sonderlich gut, sonst würde ich solch einen Eintrag kaum schreiben. Ich brauche nicht darüber zu reden, warum das so ist und bin stattdessen ganz glücklich, dass zumindest mein Kollege, mit dem ich mir das Büro teile, mich einfach machen lässt und mir keinen dummen Kommentar an die Backe drückt. Er weiß, dass ich mich nicht optimal fühle und er weiß auch, dass er daran nicht schuld ist und es somit auch nicht wirklich ändern kann, besonders nicht mit irgendwelchen Plattitüden.
Ich empfinde so eine Fick-dich-Welt-Phase legitim und auch sinnvoll, weil es eben nur eine Phase ist und sie, wenn sie ausgelebt werden darf, auch irgendwann vorbei ist. Ich bin dafür, dass man auch mal eine beschissene Laune haben darf, solange man damit Leute nicht absichtlich verletzt oder anderen Menschen vor den Kopf stößt. Niemand verlangt von mir eine Träne im Gesicht zu sehen, also warum dann ein Lachen?

In den Tritt kommen

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Das war gerade merkwürdig. Eben noch trat ich hart in die Pedale, um die grüne Ampel zu erwischen und ich schaffte es. Danach ließ ich es etwas ruhiger laufen, weil das Pflasterstein die sonst ruhige Fahrt durchbricht. Das Schutzblech klappert und die Klingel meldet sich hin und wieder mit einem verhaltenen Plink. Als das Kopfsteinpflaster fast vorüber ist, beginnt der Anstieg des Berges und ich das rechte Bein tritt mit aller Kraft ins Pedal, das linke sollte den Rhythmus aufnehmen, aber es wünscht sich eine andere Melodie. Nicht weniger kraftvoll, aber dieses Bein möchte doch selbst bestimmen, wie der Takt geht und ihn nicht vom rechten diktiert bekommen. Sie einigen sich irgendwie, doch richtig fühlt es sich für beide nicht an, aber sie bringen mich den Berg hinauf bis zur Haustür. Wer weiß, was die für ein Problem miteinander haben.

Schwarz und weiß

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Immer wieder, so scheint es mir, stolpere ich über die falsche Denkweise, zu meinem Glück bemerke ich es und kann daran arbeiten. So oft bewerte ich Situationen oder Aktionen als richtig oder falsch und ordne dementsprechend das Handeln der Menschen ein. Das führt dazu, dass ich mich selbst zum Opfer mache, wenn ich gekränkt werde, denn die Kränkung der anderen Person war falsch. Die andere Person ist der Täter. Was jedoch zeichnet einen Täter aus? Ist es nicht die Eigenschaft, etwas absichtlich zu tun? Können die Kränkungen, die mir im alltäglichen Leben von freundlich gesonnenen Menschen „zugefügt“ werden wirklich in böser oder schädlicher Absicht passieren?

Das sind Gedanken, die mir neulich während einer Buchpräsentation fast direkt vom Vortragenden gestellt wurden und auch wenn es direkte und gewollte Kränkungen gibt, zum überwiegend großen Teil finden sie nicht aus böser Absicht statt. Mein Gegenüber ist somit kein Täter. Ich bin damit kein Opfer. Die Kränkung war kein absichtlicher Vorgang. Lasse ich mich kränken und mache ich mich damit zum Opfer, so ordne ich mich selbst niedrig ein. Und gleichzeitig stelle ich mich moralisch über jenen, den ich als Täter einordne. Wer ist in dieser Situation noch Täter und Opfer?

Ich kann mir vorstellen, dass einige Leser dieses Textes gerade selbst in so einer Situation sind und sich angegriffen fühlen. Darum geht es mir nicht. Ich sage nicht, dass ihr euch nicht verletzt fühlen dürft oder dass ihr selbst schuld seid. Ich schließe mich da voll und ganz jenem Redner des Vortrags an, der erklärte, dass wir gesellschaftlich ein Schwarz-weiß-Denken etabliert haben, welches in Täter und Opfer aufteilt. Wir sind aber doch mehr als nur ein Computer, der lediglich mit Nullen und Einsen arbeiten kann. Es wird in absehbarer Zeit auch weiterhin Kränkungen geben. Manche davon werden absichtlich geschehen, die meisten jedoch unbeabsichtigt und sogar in der Absicht nicht verletzen zu wollen. Dessen müssen wir uns bewusst werden. Ich versuche es.

Ich wünsche euch einen schönen Start in die Woche.

Du hast einen Wunsch frei

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„Du hast einen Wunsch frei“, sagte sie mir und blickte mich dabei unmissverständlich an. Wir kannten uns kaum und selbst das scheint mir schon übertrieben, vielleicht hätte es besser geklungen zu sagen, dass wir uns gerade erst kennengelernt hätten. Das klingt danach, als würde sich unsere Beziehung in der Zukunft verändern. Das könnte sie nun, denn mir bleibt jener freie Wunsch, der eine indirekte Aufforderung darstellt. Es geht nicht um einen Kuss, es geht um Sex. Statt ihn zu haben, scherzte ich und nichts passierte. Es wäre nicht mehr passiert, außer dieser einen Sache, aber das ist gar nicht der Grund für die ausbleibende Erwiderung. Es fehlt die wahre Lust. Nicht die Lust an ihr, die ist da, sondern die Lust am Leben. Die Lust einfach anzufangen und sich für einen kurzen Augenblick zu verlieren. Die Lust ungeplant zu handeln und später bei einem Glas Wein womöglich zu bereuen. Die fehlende Lust hat eine Leerstelle hinterlassen, die nur zu gern von der Angst eingenommen wird. Die Angst vor der Ablehnung. Die Angst vor den Konsequenzen. Die Angst davor, nicht gut genug zu sein. Wer Angst davor hat, nicht gut genug zu sein, der ist es auch. Nur wer vom Leben kostet, hat keine Angst, nicht gut genug zu sein, weil das vollkommener Unsinn ist. „Du hast einen Wunsch frei…“

Das Gute im Menschen

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Gestern hatte ich einen Auftritt mit einigen anderen Leuten. Wir waren eine von 90 Bühnen weltweit, auf denen sich Improvisationstheaterspieler zusammenfanden und mit dem Spiel Spenden sammelten. Die Spenden gingen an drei Projekte, mit denen Geflüchtete medizinische Versorgung erhalten bzw. über Musik eine universelle Sprache finden, mit der sie kommunizieren und verarbeiten können. Es war schön zu sehen, dass in den Theatersaal kein Zuschauer mehr passte und dass die Zuschauer bereit waren, diese Projekte direkt zu unterstützen. Wer heute Abend die Zahlen von den Wahlen mitbekommt, der mag sich ärgern und sich fragen, was mit den Leuten nicht stimmt. Eine Antwort darauf kann ich nicht geben, aber ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die ihre Menschlichkeit und Nächstenliebe bei weitem nicht verloren haben.

Der ganz normale Wahnsinn

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Vor ein paar Jahren brauchte ich für die Anmeldung zum Staatsexamen eine beglaubigte Kopie meiner Geburtsurkunde. Dumm wie ich bin, ging ich hier vor Ort aufs Amt, natürlich ohne vorher einen Termin zu machen. Als ich dann irgendwann mein Anliegen vortragen durfte, wurde mir mitgeteilt, dass solch eine Urkunde bzw. eine Kopie davon nur in der Behörde meiner Geburtsstadt ausgestellt werden würde. Ich war tatsächlich davon ausgegangen, dass die Behörden miteinander arbeiten würden. So ging ich nach Hause und dumm wie ich bin rief ich dort an, um es mir schicken zu lassen, denn die Frist für die Abgabe war nicht weit entfernt und das Geld für die Heimreise war eigentlich nicht vorhanden. Am Telefon dann kam die Ernüchterung, ich dürfte das nur persönlich dort abholen. Solch eine Unterlage wird nicht per Post verschickt. Es leuchtete mir ein und ich machte mich wenige Tage später auf den knapp 500km langen Heimweg. Zum Amt ging ich mit meinem Vater, er hatte selbst etwas in der Stadt zu tun und so kreuzten wir gemeinsam in der Behörde auf. Ich erinnere mich nicht, nur ein Wort von mir gegeben zu haben, stattdessen hatte mein Vater mit einer Dame gesprochen. Keine drei Minuten später wurde ihm ein Briefumschlag mit meiner Geburtsurkunde überreicht und wir gingen wieder. Meinen Personalausweis oder irgendein anderes Identifikationspapier habe ich nie vorgezeigt, ebenso wenig tat es mein Vater. Er kannte die Dame.

Am Samstag finden in vielen Städten Improvisationsshows statt, welche Spenden für Flüchtende sammeln. Ich werde für eine Szene verantwortlich sein und möchte sie mit dieser kurzen Geschichte beginnen, die unter der Frage steht: „Was ist für dich Heimat.“

Ein Lächeln

Ein Lächeln verbraucht keine Energie…so wollte ich den Eintrag eigentlich beginnen, aber dann wird mir vermutlich jemand erklären, dass das nicht stimmt, weil so ein Lächeln einige Gesichtsmuskeln in Anspruch nimmt.

Ein Lächeln gibt allerdings eine ganze Menge Energie, weit mehr, als man hineinstecken muss. Bei all den Themen und Gesprächen, die so um uns herum stattfinden, vergesse ich das manches Mal. Nur gut, dass ich Herr Froehlich bin und mich somit selbst ein wenig ermahnen kann. In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Montag.

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Wo die Welt noch in Ordnung ist (2)

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Das Geräusch war unangenehm nah. Ich riss meine Augen auf und blickte wieder einmal in ein unfreundlich dreinblickendes Gesicht, welches auf mich herabschaute. „Was willst du hier?“, entfuhr es dem Gesicht und ich fühlte mich schutzlos. „Nichts“, erwiderte ich. Das unfreundliche Gesicht schien über diese Antwort zu grübeln, blickte mich jedoch weiterhin fest an, was mich umso mehr verunsicherte, je länger es andauerte, weshalb ich meinen Kopf ein wenig zur Seite legte und mich aufsetzte. Den Typen hinter mir zu wissen, machte die Situation nicht besser und ich drehte mich um. Er blickte mich weiterhin an. Ich sah in dem Moment, dass er einen Stock in der Hand hielt, der wohl nicht ganz zufällig die Form eines Baseballschlägers aufwies, was mein Gefühl der Angst nicht gerade verringerte. Aus einem Impuls heraus stand ich auf und stellte fest, dass dieser Typ einen Kopf kleiner war als ich. Zwar war der Prügel nicht verschwunden, aber unsere Größenverhältnisse gaben mir ein wenig mehr Selbstbewusstsein. Zudem hatte er genügend Zeit gehabt, mir mit dem Ding eines zu verpassen, also wenn er es bis jetzt nicht getan hatte, würde er es wohl auch nicht mehr tun, dachte ich mir und erklärte mich: „Ich suche hier nichts, außer dem Gefühl von Frieden.“ Die Sache mit dem Frieden schien ihn ein weiteres Mal zum Nachdenken anzuregen, seine Miene veränderte sich jedoch kaum, bis es plötzlich aus ihm herausbrach: „Ha, Frieden ist wohl das einzige, was du hier am Ende der Welt finden wirst, aber immerhin.“ Er ließ den Stock sinken und grinste über beide Backen. „Ich heiße Falk“, stellte er sich vor. „Hallo, Ben“, vollendete ich die Vorstellung und schloss die Frage an: „Wo kommst du her?“ Er zeigte mit dem Stock in Richtung der Straße, von der ich gekommen war. „Da kann man leben?“, fragte ich ihn ungläubig, denn sein Äußeres war ganz anders als jenes Dorf. Er hatte einen Sidecut und die übrigen Haare in rosa und lila gefärbt. Seine Jeans war zerrissen und auch das Flanellhemd hatte schon bessere Tage gesehen, aber er sah nach Leben aus, ganz im Gegensatz zu jenem Dorf. Er grinste mich nur an und nickte: „Doch doch, man kann da leben. Nunja, zumindest schlafen und essen.“ „Und wo lebst du dann?“ Er atmete tief ein und schien zu überlegen. „Weißt du, ich besuche gerade meine Großeltern. Zwangsweise zwei Wochen lang. Meine Mutter hatte mich satt.“ „Aha“, sagte ich und ahnte, dass da noch eine ganz andere Geschichte dazugehörte, die man keinem Menschen erzählt, den man eben erst kennengelernt hat. Bevor eine unangenehme Stille aufkommen konnte, fragte ich ihn: „Magst du was essen? Ich hab ein großartiges Menü in knapp 30 Minuten zubereitet, ich brauche nur meinen kleinen Gaskocher aus dem Auto.“ „Fleisch?“, entgegnete er. „Nö, nur Reis, rote Linsen, Kokosmilch, Zwiebeln und Curry.“ Er schien mit der Antwort zufrieden und nickte leicht mit dem Kopf.

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