Momente

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Ob ihr bewusst war, dass ich es liebte, wenn sie frisch geduscht aus dem Bad kam? Womöglich war es nur der Duft, der sie danach umgab, aber das glaube ich nicht. Sie schwebte förmlich danach, so als hätte sie alle Schwere von den Wasserstrahlen abwaschen lassen. Diese Ruhe, die im Haus herrschte, es machte uns selbst größer. Man konnte selbst an Lächeln hören. So wie am Telefon, wenn man genau weiß, dass die andere Person gerade grinst.

Wenn sie so aus dem Bad kam und zum Kleiderschrank ging, um sich anzuziehen, blickte ich zu ihr. Sie ließ sich davon nicht in ihrem Vorhaben abbringen, zog sich an und blickte mir lächelnd entgegen. Könnte ich zeichnen, ich hätte versucht es festzuhalten, doch vermutlich wäre ich gescheitert, so wie es mir auch mit Worten nicht gelingen mag, wenngleich ich doch noch viel mehr sagen kann, was ich dabei fühlte. Ich fühlte mich sicher und ich fühlte mich wohl. Ich fühlte mich willkommen und ich fühlte mich akzeptiert. Ich fühlte mich geliebt.

Echte Menschen

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Das ist ein echter Mensch. So nannten wir jene, über die wir sonst immer so gern spotteten. Aber in dem Moment versuchten wir sie ernst zu nehmen. Wir wollten ihnen die Anerkennung dafür geben, dass sie so sind, wie wir es uns nie trauen würden. Sie, die sie durch ihre Zahnlücken lachen. Sie, die mit fettigen Haaren und im schief sitzenden, rosa T-Shirt einkaufen gehen. Sie, die wir als verblödete Fernsehschauer einzustufen glauben. Sie, die einfach leben.

So kommt es uns vor und so sehr wir sie höher schätzen wollen, indem wir sie „echt“ nennen, so sehr betrügen wir uns selbst. Wir kategorisieren sie und halten uns weiterhin für besser. Einzig beruhigend könnte sein, dass sie womöglich ebenso geringschätzig auf uns blicken. Diese „echten“ Menschen sind welche, denen ich hin und wieder begegne. Sie sind nicht echter oder weniger echt, als ich es bin. Sie sind auch nicht glücklicher oder unglücklicher. Sie sind anders – oder ich bin es, je nach Sichtweise. Und sie sind so gar nicht anders. Man müsste eben nur aus der eigenen Schublade heraus und sollte die anderen nicht in welche stecken.

Kleider machen Leute – Gemälde nicht.

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Neulich lag ich mit einem Freund am See und er erzählte mir von dieser Frau, die ihn virtuell angesprochen hätte. Sie hatte ihm ein “Hi” geschickt, er hatte mit “Hallo” geantwortet und das war es auch schon. Er zeigte mir ein Bild von ihr, welches offensichtlich ihre Vorzüge anpreisen sollte, welche von dem Logo G-Star überdeckt wurden. Meine Aufmerksamkeit war jedoch auf das Bild im Hintergrund gerichtet. Jenes Fresko von Michelangelo, bei dem Gott seine Hand dem Menschen reichen möchte, doch diesem die Anstrengung zu viel ist, ihn zu erreichen (“Die Erschaffung Adams”). Nachdem also Funkstille herrschte, schnappte ich mir sein Handy und schrieb ihr, ob sie denn mal in Italien war oder ob der Michelangelo eher den Wunsch ausdrückt? Die Antwort war ein “Was?” und die restlichen Wortwechsel waren kaum silbenreicher. Die schöne Kunst wird eben für wenig Geld im Baumarkt verkauft, wo sie jeder gedankenlos mitnehmen kann. Eigentlich ja schön, denn die sixtinische Kapelle kann ich mir eben nicht ins Wohnzimmer hängen, aber irgendwie schmerzt es mich doch. Diese vollkommene Ignoranz gegenüber der Person, die über Jahre hinweg auf dem Rücken lag und den bunten Himmel kreierte. Das Bild hätte auch einen bärtigen Micheangelo zeigen können, der seine Hand ausstreckt und ein üppig ausgestattetes Mädel mit G-Star-Shirt, die gemütlich auf ihrer Couch liegt…Herrje

Klack klack

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Hallo, ich bin ja schon fast aus den Blogwelten hier verschwunden, so möchte man meinen, aber seht es mir nach. Der folgende Text war meine Einsendung zu einem Schreibwettbewerb von der Bahn und der SZ. Da ich anscheinend nicht zu den ersten zehn gehöre, nehme ich mir die Freiheit, ihn hier zu veröffentlichen. Ich wünsche euch viel Spaß dabei.

Klack klack, klack klack. Mich zogen die alten Bahnwaggons schon immer mehr an, als die neuen, in denen die Welt lautlos vorbeizieht und ich nach Ablenkung suche. In den alten, miefigen Sitzen hingegen fühle ich mich willkommen. Sie sind hart, unbequem und durchgesessen und…gemütlich. Es mag merkwürdig erscheinen, aber wenn ich mal mit den Schnellzügen reise, bin ich immer ganz glücklich, wenn sie überfüllt sind und ich damit das Recht erhalte, mitten in dem engen Einstiegsbereich zu sitzen, ohne dass mich die Leute verwundert anschauen. Hier hört man wieder das Klacken der Räder auf den Schienen und wenn der Zug hält, lassen sich all die Menschen beobachten, die ein- und aussteigen. Ich habe dann die Rolle der Fliege an der Wand inne. Werde kaum wahrgenommen, aber alles im Blick habend, wache ich über die Mitfahrer. Hier habe ich meine Ruhe, wenn ich sie haben will und hier habe ich die tiefgründigsten Gespräche mit Menschen, denen ich sonst niemals begegnet wäre. Es ist ein wenig wie Hamburg, in der an einem Kneipentisch ein Punk und ein Typ im Anzug sitzen und sich unterhalten können. Gut, der Typ im Anzug sitzt eher im Erste-Klasse-Abteil, hat seinen Freiraum und liest eine Zeitung, aber so manch einer eben nicht. So manch einer freut sich über mein freundlich lächelndes Gesicht und setzt sich zu mir, um Kekse und Gummibärchen zu teilen und in dieser kleinen Zeitblase zu sitzen, die nicht von den paffenden Männern in den grauen Anzügen gefunden wird.

Gerade ist es nicht so. Im Moment sitze ich allein auf dem Boden und schaue nach draußen und beobachte die vorbeiziehenden Bäume, die die Felder säumen. Es sind zu wenige von ihnen, das spüre ich ganz genau. Vielleicht brauchen wir wieder mehr Kinder und mit ihnen gepflanzte Bäume, die so wunderbar duften, wenn es regnet. Ich versuche ein Bild von diesen Feldern einzufangen und in meinen Schreibblock zu zeichnen, aber meine Unbedarftheit wird durch das Schaukeln des Züges nicht gerade beiseite gewischt und so schreibe ich einfach meine Gedanken auf, bis da plötzlich dieses eine Mädchen an mir vorbei kommt. Nun ja, Mädchen klingt zu jung, aber ist sie eine Frau? Was ist ein weibliches Wesen zwischen 20 und 30 Jahren eigentlich? Dieses hier ist schön, mit ihrem breiten Grinsen und ich erwidere die freundliche Geste, als sie sich mir gegenüber mit dem Rücken an der Wand herunterrutschen lässt. Einige braune Locken fallen ihr dabei ins Gesicht und über die Sonnenbrille, die sie geschickt nutzt, um ihre Haare wieder auf dem Kopf zu bändigen, indem sie sie nach oben schiebt. Sie kramt in ihrem Rucksack herum und außer ein paar Blicken tauschen wir nichts aus, bis sie irgendwann seufzend zur Ruhe kommt. „Ich hätte Tee und Kekse dabei“, rutscht es mir heraus, denn es erscheint mir nur logisch, dass sie danach sucht. Sie blickt mich ein wenig unschlüssig an und erwidert: „Nein, danke.“

Ein kurzer Moment der Stille setzt ein, aber so wirklich ruhig ist es nicht, denn der Zug klackert fröhlich vor sich her. Mir wird klar, dass solch ein Angebot natürlich nur dann ankommt, wenn es entsprechend präsentiert wird, zumal wir uns ja nicht einmal kennen, aber ich gehöre nicht zu den Menschen, die glauben, dass die ersten zehn Sekunden schon alles ausmachen und wenn es doch so sein sollten, dann bestanden diese ersten zehn Sekunden ja aus den breitgrinsenden Blicken von uns, so schlecht sah es also gar nicht aus und ich griff in meine blaue Schultertasche, die ich mir einst in einem Armee-Shop gekauft hatte. Schon merkwürdig, wenn man den Frieden wünscht und solch einen Laden betritt, aber die Tasche besaß die perfekte Größe und war angenehm leicht. Kein perfekt gestyltes Markenprodukt. Und sie bot genug Platz für die leckeren Schokoladenkekse und die Thermoflasche mit Rooibos-Vanille-Tee, dessen süß-sanfter Geruch sich sofort verbreitete, als ich sie öffnete. Ich knabberte dazu an einem Keks und tat für einen Augenblick so, als wäre ich allein in meiner Welt. Dann irgendwann sah ich wieder zu meiner gelockten Sitzpartnerin, sie blickte mich kurz an und sah für einige wenige Sekunden weg, bevor ihr Blick wieder zu mir und den Keksen glitt. „Also, das Angebot mit den Keksen steht noch“, sagte ich lächelnd, denn ich war mir sicher, dass ihre Antwort nun eine andere sein würde. Sie nickte nur und ließ sich einen Keks reichen.

Ihr Name war Leila und sie war, wie ich, auf dem Weg nach Freiburg. Als sie ihren Namen nannte, schoss mir sofort ein „you got me on my knees“ durch den Kopf und ich war kurz davor, es auszusprechen, besann mich jedoch eines besseren, denn die Sprüche, die sich auf ihren Namen bezogen, dürfte sie alle schon kennen und damit war weder Blumentopf noch ein weiteres, herzliches Lachen zu gewinnen. Stattdessen lenkte ich meine Aufmerksamkeit auf unser gemeinsames Ziel. Ich kannte Freiburg nur von Erzählungen und befand mich auf dem Weg zu einem befreundeten Pärchen, welches vor kurzem in jene Stadt gezogen war, von der ich so viel Schönes gehört hatte. Leila lebte und studierte dort. Sie begann gerade von der Stadt zu schwärmen, als sich neben uns die Tür zum Abteil öffnete und der Schaffner zu uns stieß. Ich bemerkte sofort eine krasse Veränderung Leilas. Man musste kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass sie schwarzfuhr. Ich wurde schon oft gefragt, warum ich so gern Theater spiele und meine inoffizielle Antwort ist „für solche Momente“, denn ich begann sofort, mich extrem panisch zu verhalten, sprang auf, stieß den Mann in der blauen Uniform gegen die Wand und begann in das Abteil hinter ihm zu rennen, wohlwissend, dass er die Verfolgung aufnehmen würde. Einen Plan hatte ich natürlich nicht, aber ich verzage nicht und sehe dadurch die kleinen Zeichen, die einem der Himmel sendet. In diesem Fall war es ein sehr auffälliges WC-Symbol. Ich steuerte direkt darauf zu und schloss hinter mir ab, noch ehe der Schaffner mich erreichte. Mir blieben nur wenige Sekunden, bevor der gute Mann die Tür von außen aufsperren würde, in denen imitierte ich Würgegeräusche und betätigte die Spülung, als die Tür sich öffnete.

„Es tut mir leid, das muss die verdammte Paella gewesen sein“, sagte ich völlig unschuldig schauend. Der Kontrolleur ging darauf nicht ein und verlangte meine Karte zu sehen, die ich wild tastend schlussendlich und zu seiner Überraschung in meinem Portemonnaie fand. Ich entschuldigte mich abermals bei ihm, dass ich ihn angerempelt hatte, aber es wäre nicht bös gemeint gewesen. Mit Sicherheit wusste er, dass ich log, aber von dem Rempler abgesehen, hatte ich mir nichts zuschulden kommen lassen. Der Zug hielt und er ließ mich zurück zu meinem „Platz“ gehen. Ich hoffte darauf, Leila zu sehen und mit ihr kichernd über die Situation reden zu können, aber natürlich wartete allein meine Schultertasche auf mich. Leila war verschwunden. Vermutlich ausgestiegen oder sie hatte sich irgendwo versteckt. Ich hatte sie verloren und dann doch noch gefunden, denn ich folgte dem kleinen Zettel in meiner Tasche, auf dem „Schlossbergsteg um 22 Uhr“ stand.

Quaki, der Frosch

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Es war einmal ein Frosch namens Quaki. Eigentlich hieß er Gustav, doch die anderen Frösche hänselten ihn, weil er ängstlich war. Dabei war er gar nicht ängstlich, sondern nur vorsichtig und zurückhaltend. Er besaß eine ganz besondere Eigenart: Immer wenn er sich in der Nähe von Wasser befand, begann er merkwürdig zu zucken. Die anderen Frösche verspotteten ihn dann als Angsthasen, dabei zuckte Quaki gar nicht vor Angst, sondern einfach nur so.

Ihn zog es daher eher ins Trockene, wo er seine Ruhe vor dem Wasser und den anderen Fröschen hatte. Dort lernte Quaki Lumen und Noctem kennen, die zwei Glühwürmchen-Zwillinge. Als sie ihn das erste Mal erblickten, wären sie fast vor ihm geflohen, denn so manch ein Frosch hat schon so manches Glühwürmchen verschlungen. Die Zwillinge merkten sofort, dass Quaki besonders war.

Er war neugierig und vorsichtig. Ein wenig ängstlich auch, weil sie leuchtend in der Dunkelheit um ihn kreisten, aber dann unterhielten sie sich und ehe die Nacht rum war, waren Quaki, Lumen und Noctem die besten Freunde geworden.

Er erzählte ihnen, wie traurig er war, weil er so zitterte, wenn er in die Nähe von Wasser kam. Wenn er doch nur höher springen könnte als die anderen, aber er konnte eher schlechter springen. Oder wenn er seine Backen nur weiter aufblasen könnte als die anderen, aber dafür fehlte ihm die Luft. Oder wenn er nur lauter quaken könnte als die anderen, aber er war eben ein ruhiger Frosch mit einer sanften Stimme. Oder wenn er doch nur besser Fliegen und Insekten mit der Zunge fangen könnte, aber das wollte er ja gar nicht, worüber Lumen und Noctem sehr froh waren.

Sie sagten ihm, dass er sich nicht ärgern bräuchte, denn schon bald würde Alle seine große Stärke zu schätzen wissen. Und so kam es auch, in jenem heißen Sommer. Der Tümpel, an dem Quaki und die anderen Frösche lebten, wurde immer kleiner und trocknete aus, weil es so unerträglich heiß war und nicht regnen wollte. So vieles hatten die Frösche versucht, sogar einen Regentanz hatten sie aufgeführt. Doch eines Tages war das Wasser verschwunden und alle fühlten sich matt und erschöpft.

Allein Quaki ging es recht gut, denn er war es gewohnt, ohne Wasser auszukommen. Die Frösche hielten sich an ihn, denn sie hofften, dass er ihnen mit seiner Ruhe und Erfahrung in der Trockenheit helfen könnte.

Quaki merkte sehr schnell, dass er wandern müsste. Dies tat er und alle folgtem ihm auf seiner langen Reise. Eines Tages, als alle vollkommen erschöpft waren und niemand mehr einen Meter weiter hüpfen wollte, da spürte Quaki ein Zucken in seinem vorderen, rechten Bein. Er verstand, was sein Körper ihm sagen wollte und so überredete alle anderen Frösche, ihm zu folgen. Er sprang immer in die Richtung, wo es in seinem Körper am heftigsten zuckte. Mal war es ein wenig rechts, mal links, mal vorn, mal hinten. Er war kaum noch fähig, sich zu bewegen, da vollführte er einen letzten Sprung und landete in einem See, der gut versteckt zwischen hohen Gräsern lag.

Die Froschgemeinschaft war gerettet und seither verspotten sie Quaki nicht mehr. Sie hatten verstanden, dass sie in der höchsten Not auf ihn zählen konnten und dass sie ohne ihn und seine besondere Eigenart niemals diesen See gefunden hätten und elendig in der Hitze zu Grunde gegangen wären. Doch so hatten sie mit ihm ein großes Tümpelparadies gefunden, an dem man sie in warmen Nächten laut quaken hört.

Von Glühwürmchen und Fröschen

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Als ich eben auf dem Heimweg überlegte, was ich der jüngsten Tochter meiner Mitbewohnerin zu ihrem vierten Geburtstag schenken könnte, kam mir die Idee einer Geschichte, die ich hier gern auch noch veröffentlichen werde. Es ging dabei um einen ganz besonderen Frosch, welcher ausgegrenzt wird, weil er eine besondere Eigenart hat. Jene Eigenart ist dann am Ende natürlich die Rettung für alle Frösche und so finden sie zusammen und lernen mit den Unterschieden und Besonderheiten umzugehen. Ich hatte die Geschichte fast fertig durchdacht, da quakte es neben mir, als wollten man mir zustimmen. Ich ließ meine Gedanken zu der Geschichte ruhen und ebenso mein Rad rollen, als mich von links zwei grüne Punkte anleuchteten. Glühwürmchen warteten dort auf mich, vollkommen ruhig und einfach nur leuchtend. Klar, dass die nun auch eine Rolle in der Geschichte bekommen werden. Es hat mir selbst mal wieder gezeigt, wie wichtig es ist, die Sinne schweifen zu lassen und die Natur wahrzunehmen. Diese kleinen Wunder und Schönheiten, die in jeder Sekunde Teil unseres Lebens sein könnten, wenn wir sie nicht verpassen würden, weil wir Terminen nachjagen oder auf unsere Handydisplays schauen. Ich habe mein Handy dann aber doch gezückt und die leuchtenden Wesen festgehalten. Wer weiß schon, wann ich wieder das Glück habe, ihnen begegnen zu dürfen.
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Schreie

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Immer wenn ich in ihr Zimmer komme, setze ich meine Schritte behutsam und leise. Fast so wie bei einem Neugeborenen, welches man nicht zu stören wagt, denn es lebt noch in einer ganz eigenen Welt, fernab von unserer schrillen. Sie konnte seit ihrer Geburt nichts hören und deswegen ist es unsinnig, dass ich so leise in ihr Zimmer trete, aber ich tue es. Ganz von allein. Sie sitzt oft mit offenem Mund da und liest. Es sieht aus, als würde sie still schreien, aber es passiert ihr einfach, bis sie die Trockenheit wahrnimmt und ihn schließt. Könnte sie nur schreien, so wäre auch sie noch länger in dieser geschützten, kindlichen Welt geblieben. Ein Schweigen ist kein Ja und auch keine Zustimmung, aber jener Mann damals suchte keine Zustimmung, er nahm sie sich. Er hat sie ihr genommen. Einfach so.

Wieder einmal packt mich die Wut auf die Menschen, doch es ist niemand da, der meinen Schrei hören würde. Vermutlich würde sie mich nur anlächeln, weil sie weiß, dass mein Grimm dann verschwindet. Sie weiß nicht, weshalb ich mich aufrege und wenn doch, dann scheint sie es einfach besser zu wissen. Ich scheitere daran. Ich scheitere an meiner Wut und an meiner Ohnmacht. Ich scheitere an dem Gefühl in der falschen Welt zu leben, in dem die Wesen, die unseren Schutz brauchen, verletzt werden. Ist es der Neid auf ihre gute Welt? Nehmen wir sie deswegen immer früher in Gefangenschaft unserer Welt?

Sie sitzt leise dort und liest. Ihr Atem ist deutlich zu hören, denn ich wage es nicht, mich zu rühren und im Zimmer herrscht Stille. Sie hat sich etwas von dieser heilen Welt bewahrt, so scheint es mir und wer weiß, vielleicht finde ich dank ihr irgendwann einmal den Weg dorthin zurück.

Liebster Award

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Es ist Sonntag, draußen regnet es und ich räume auf, aber eher digital, denn ich kränkle und will mein Bett nur verlassen, um mir heißes Wasser für den Tee zu holen. Und während ich Mails beantworte und mir Konzepte überlege, stoße ich auf zwei Lesezeichen, die ich mir im März setzte, damit ich sie nicht vergesse.

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Die Regeln:

  • Bedanke dich bei dem Autor/Blogger, der dich nominiert hat, und verlinke seine Website/seinen Blog.
  • Verwende das Awardbild.
  • Beantworte die 11 Fragen, die man dir gestellt hat.
  • Formuliere im Anschluss daran 11 neue Fragen.
  • Nominiere bis zu 11 weitere Autoren/Blogs und bitte darum, deine Fragen zu beantworten.
  • Informiere die Nominierten natürlich über ihr Glück.

Vielen Dank an Katharina von Haderer, du hast ja eigentlich schon genug mit deinen Büchern “Die versunkene Stadt” und “Das Herz im Glas” zu tun, aber offensichtlich hält dich das nicht davon ab, hier auf Fragen zu antworten und selbst welche zu stellen. Kommen wir doch gleich zu ihnen:

Katharinas Fragen an mich:

Wie bist du auf die Idee gekommen, mit dem Bloggen anzufangen?

Ich hatte mich an dem Tag über einen Autofahrer aufgeregt und suchte unabhängig davon nach Kontakt zu anderen Menschen. Und schon stand der erste Eintrag. Das war allerdings auf einer anderen Plattform.

Was gefällt dir am Schreiben?

Ich mag es, dass ich nicht unterbrochen werde. Ich bin selbst kein disziplinierter Unterhalter und erwische mich selbst dabei, andere mal zu unterbrechen. Ich versuche das dann immer zu unterbinden. Mein Gegenüber darf sich aber zumindest daran erfreuen, dass ich selbst Lust auf das Gespräch habe, sonst würde ich ihn oder sie niemals unterbrechen.

Gibt es eine Person deines Vertrauens, mit der du dich über dein kreatives Schaffen austauschst?

Nicht so, wie ich es gern hätte. Aber da brauche ich nicht lange nach dem Schuldigen zu suchen, denn dafür bin ich selbst verantwortlich.

Was machst du, um dich auf deine Tätigkeit konzentrieren zu können?

Gar nichts, wenn ich schreibe, dann schreibe ich. Neulich im Zug schaffte es eine überlaute Amerikanerin, mich ständig aus dem Schreibfluss zu reißen, also schrieb ich über sie.

Schöpfst du durch irgendetwas Inspiration?

Für mich ist alles eine Inspiriationsquelle. Manchmal ist es nur ein Wort, über das ich nachdenke und manchmal ein Gedanke, den ich mit mir herumtrage.

Was war das schönste Kompliment (egal, auf was bezogen), dass dir jemals jemand gemacht hat?

Schwere Frage…ich glaube, das schönste Kompliment ist ein “Ich hab dich lieb”, da wird mir wohlig warm ums Herz

Was ist dein Lieblingsbuch und warum?

Siddhartha von Hesse. Ich glaube, ich hatte damals den Steppenwolf gelesen und Siddhartha gab mir die Antworten und Verbindungen zu mir selbst. Es ist ein Buch, das ich mir gerne durchlese, wenn ich mal nicht schreiben kann oder wenn ich einen Einstieg in einen schönen Schreibstil suche.

Wo kaufst du Bücher?

Im Internet. Booklooker hat mir schon so einige schöne Bücher geliefert. Leicht vergilbte Seiten und Buchrücken, die in Stoff gebunden sind. Kein Paperback, sondern ein haptischer Leckerbissen. Dabei fällt mir ein, dass gerade mein geliebter Siddhartha zwar in digitaler und in analoger Form vorhanden ist, aber nur mit lapprigen Umschlägen…das sollte ich schleunigst ändern.

Wenn du dich mit einem Autor auf eine Wiener Melange und ein Buttersemmerl in einem Wiener Kaffeehaus treffen könntest, wer wäre das?

Ich trinke keinen Kaffee, aber nach Wien reise ich gern mal. Da ich es realistisch halten möchte, wähle ich einen lebenden Autoren und entscheide mich für T.C. Boyle. Ich bin gar kein Fan seiner Bücher, aber mich interessiert schon, was da für ein Mensch dahinter steckt und wie nah er an seinen Figuren dran ist.

Und ganz wichtig: Wenn du ein Haustier hast, poste hier ein Bild

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ich hab es zwar bereits gepostet, aber ich habe gerade kein aktuelleres Bild.

Und nun kommt der Part, den ich immer weglasse. Nein, ich schreibe keine 11 weiteren Fragen und ich nominiere keine anderen Autoren. Ich sehe diese Awards immer wieder als Erinnerung an, dass ich Einträge über andere Blogger schreiben möchte. Aber es sollen dann nicht gleich 11 sein, so dass man sie eh überliest, sondern eher kleine Profilvorstellungen und den Hintergrund, warum ich sie auswähle und besonders finde.

Zwei Tage, zwei Zahlen

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Gestern gratulierte mir WordPress zu zwei Jahren Mitgliedschaft. Nunja, die hätte ich auch auf einer Backe absitzen können, wobei das ganz sicher nicht so prickelnd gewesen wäre, aber das ist kein wirklicher Meilenstein. Die andere Zahl kam heute. Mit Ashanar lesen mittlerweile 300 Leute meinen Blog. Das hier ist nicht Sparta, aber unter diesen 300 Leute stecken mittlerweile viele Menschen, die mir persönlich bekannt zu sein scheinen, dabei habe ich sie nie in meinem Leben gesehen. Sie haben stattdessen oftmals in meine Seele geblickt und ließen mich ebenso in ihre blicken. Welch ein Geschenk das ist. In letzter Zeit ist recht ruhig geworden, weil meine Zeit knapper geworden ist und ich mich selbst in einem Schwebezustand befinde. Irgendwie nicht richtig angekommen, aber mit einem sehr schönen Ausblick auf das, was vor mir liegt. Vielleicht sollte ich meine abendlichen Aktivitäten ein wenig reduzieren, denn aktuell ist außer dem Dienstagabend jeder andere verplant und ausgebucht. Vielleicht brauche ich aber auch diese geistige Leerlaufphase. Seid mir also nicht bös gesinnt, wenn ihr nur selten Kommentare von mir in euren Blogs findet, ich habe das Interesse nicht verloren.
Liebe Grüße,
Ben

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