Schwarz und weiß

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Immer wieder, so scheint es mir, stolpere ich über die falsche Denkweise, zu meinem Glück bemerke ich es und kann daran arbeiten. So oft bewerte ich Situationen oder Aktionen als richtig oder falsch und ordne dementsprechend das Handeln der Menschen ein. Das führt dazu, dass ich mich selbst zum Opfer mache, wenn ich gekränkt werde, denn die Kränkung der anderen Person war falsch. Die andere Person ist der Täter. Was jedoch zeichnet einen Täter aus? Ist es nicht die Eigenschaft, etwas absichtlich zu tun? Können die Kränkungen, die mir im alltäglichen Leben von freundlich gesonnenen Menschen „zugefügt“ werden wirklich in böser oder schädlicher Absicht passieren?

Das sind Gedanken, die mir neulich während einer Buchpräsentation fast direkt vom Vortragenden gestellt wurden und auch wenn es direkte und gewollte Kränkungen gibt, zum überwiegend großen Teil finden sie nicht aus böser Absicht statt. Mein Gegenüber ist somit kein Täter. Ich bin damit kein Opfer. Die Kränkung war kein absichtlicher Vorgang. Lasse ich mich kränken und mache ich mich damit zum Opfer, so ordne ich mich selbst niedrig ein. Und gleichzeitig stelle ich mich moralisch über jenen, den ich als Täter einordne. Wer ist in dieser Situation noch Täter und Opfer?

Ich kann mir vorstellen, dass einige Leser dieses Textes gerade selbst in so einer Situation sind und sich angegriffen fühlen. Darum geht es mir nicht. Ich sage nicht, dass ihr euch nicht verletzt fühlen dürft oder dass ihr selbst schuld seid. Ich schließe mich da voll und ganz jenem Redner des Vortrags an, der erklärte, dass wir gesellschaftlich ein Schwarz-weiß-Denken etabliert haben, welches in Täter und Opfer aufteilt. Wir sind aber doch mehr als nur ein Computer, der lediglich mit Nullen und Einsen arbeiten kann. Es wird in absehbarer Zeit auch weiterhin Kränkungen geben. Manche davon werden absichtlich geschehen, die meisten jedoch unbeabsichtigt und sogar in der Absicht nicht verletzen zu wollen. Dessen müssen wir uns bewusst werden. Ich versuche es.

Ich wünsche euch einen schönen Start in die Woche.

Du hast einen Wunsch frei

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„Du hast einen Wunsch frei“, sagte sie mir und blickte mich dabei unmissverständlich an. Wir kannten uns kaum und selbst das scheint mir schon übertrieben, vielleicht hätte es besser geklungen zu sagen, dass wir uns gerade erst kennengelernt hätten. Das klingt danach, als würde sich unsere Beziehung in der Zukunft verändern. Das könnte sie nun, denn mir bleibt jener freie Wunsch, der eine indirekte Aufforderung darstellt. Es geht nicht um einen Kuss, es geht um Sex. Statt ihn zu haben, scherzte ich und nichts passierte. Es wäre nicht mehr passiert, außer dieser einen Sache, aber das ist gar nicht der Grund für die ausbleibende Erwiderung. Es fehlt die wahre Lust. Nicht die Lust an ihr, die ist da, sondern die Lust am Leben. Die Lust einfach anzufangen und sich für einen kurzen Augenblick zu verlieren. Die Lust ungeplant zu handeln und später bei einem Glas Wein womöglich zu bereuen. Die fehlende Lust hat eine Leerstelle hinterlassen, die nur zu gern von der Angst eingenommen wird. Die Angst vor der Ablehnung. Die Angst vor den Konsequenzen. Die Angst davor, nicht gut genug zu sein. Wer Angst davor hat, nicht gut genug zu sein, der ist es auch. Nur wer vom Leben kostet, hat keine Angst, nicht gut genug zu sein, weil das vollkommener Unsinn ist. „Du hast einen Wunsch frei…“

Das Gute im Menschen

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Gestern hatte ich einen Auftritt mit einigen anderen Leuten. Wir waren eine von 90 Bühnen weltweit, auf denen sich Improvisationstheaterspieler zusammenfanden und mit dem Spiel Spenden sammelten. Die Spenden gingen an drei Projekte, mit denen Geflüchtete medizinische Versorgung erhalten bzw. über Musik eine universelle Sprache finden, mit der sie kommunizieren und verarbeiten können. Es war schön zu sehen, dass in den Theatersaal kein Zuschauer mehr passte und dass die Zuschauer bereit waren, diese Projekte direkt zu unterstützen. Wer heute Abend die Zahlen von den Wahlen mitbekommt, der mag sich ärgern und sich fragen, was mit den Leuten nicht stimmt. Eine Antwort darauf kann ich nicht geben, aber ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die ihre Menschlichkeit und Nächstenliebe bei weitem nicht verloren haben.

Der ganz normale Wahnsinn

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Vor ein paar Jahren brauchte ich für die Anmeldung zum Staatsexamen eine beglaubigte Kopie meiner Geburtsurkunde. Dumm wie ich bin, ging ich hier vor Ort aufs Amt, natürlich ohne vorher einen Termin zu machen. Als ich dann irgendwann mein Anliegen vortragen durfte, wurde mir mitgeteilt, dass solch eine Urkunde bzw. eine Kopie davon nur in der Behörde meiner Geburtsstadt ausgestellt werden würde. Ich war tatsächlich davon ausgegangen, dass die Behörden miteinander arbeiten würden. So ging ich nach Hause und dumm wie ich bin rief ich dort an, um es mir schicken zu lassen, denn die Frist für die Abgabe war nicht weit entfernt und das Geld für die Heimreise war eigentlich nicht vorhanden. Am Telefon dann kam die Ernüchterung, ich dürfte das nur persönlich dort abholen. Solch eine Unterlage wird nicht per Post verschickt. Es leuchtete mir ein und ich machte mich wenige Tage später auf den knapp 500km langen Heimweg. Zum Amt ging ich mit meinem Vater, er hatte selbst etwas in der Stadt zu tun und so kreuzten wir gemeinsam in der Behörde auf. Ich erinnere mich nicht, nur ein Wort von mir gegeben zu haben, stattdessen hatte mein Vater mit einer Dame gesprochen. Keine drei Minuten später wurde ihm ein Briefumschlag mit meiner Geburtsurkunde überreicht und wir gingen wieder. Meinen Personalausweis oder irgendein anderes Identifikationspapier habe ich nie vorgezeigt, ebenso wenig tat es mein Vater. Er kannte die Dame.

Am Samstag finden in vielen Städten Improvisationsshows statt, welche Spenden für Flüchtende sammeln. Ich werde für eine Szene verantwortlich sein und möchte sie mit dieser kurzen Geschichte beginnen, die unter der Frage steht: „Was ist für dich Heimat.“

Ein Lächeln

Ein Lächeln verbraucht keine Energie…so wollte ich den Eintrag eigentlich beginnen, aber dann wird mir vermutlich jemand erklären, dass das nicht stimmt, weil so ein Lächeln einige Gesichtsmuskeln in Anspruch nimmt.

Ein Lächeln gibt allerdings eine ganze Menge Energie, weit mehr, als man hineinstecken muss. Bei all den Themen und Gesprächen, die so um uns herum stattfinden, vergesse ich das manches Mal. Nur gut, dass ich Herr Froehlich bin und mich somit selbst ein wenig ermahnen kann. In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Montag.

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Wo die Welt noch in Ordnung ist (2)

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Das Geräusch war unangenehm nah. Ich riss meine Augen auf und blickte wieder einmal in ein unfreundlich dreinblickendes Gesicht, welches auf mich herabschaute. „Was willst du hier?“, entfuhr es dem Gesicht und ich fühlte mich schutzlos. „Nichts“, erwiderte ich. Das unfreundliche Gesicht schien über diese Antwort zu grübeln, blickte mich jedoch weiterhin fest an, was mich umso mehr verunsicherte, je länger es andauerte, weshalb ich meinen Kopf ein wenig zur Seite legte und mich aufsetzte. Den Typen hinter mir zu wissen, machte die Situation nicht besser und ich drehte mich um. Er blickte mich weiterhin an. Ich sah in dem Moment, dass er einen Stock in der Hand hielt, der wohl nicht ganz zufällig die Form eines Baseballschlägers aufwies, was mein Gefühl der Angst nicht gerade verringerte. Aus einem Impuls heraus stand ich auf und stellte fest, dass dieser Typ einen Kopf kleiner war als ich. Zwar war der Prügel nicht verschwunden, aber unsere Größenverhältnisse gaben mir ein wenig mehr Selbstbewusstsein. Zudem hatte er genügend Zeit gehabt, mir mit dem Ding eines zu verpassen, also wenn er es bis jetzt nicht getan hatte, würde er es wohl auch nicht mehr tun, dachte ich mir und erklärte mich: „Ich suche hier nichts, außer dem Gefühl von Frieden.“ Die Sache mit dem Frieden schien ihn ein weiteres Mal zum Nachdenken anzuregen, seine Miene veränderte sich jedoch kaum, bis es plötzlich aus ihm herausbrach: „Ha, Frieden ist wohl das einzige, was du hier am Ende der Welt finden wirst, aber immerhin.“ Er ließ den Stock sinken und grinste über beide Backen. „Ich heiße Falk“, stellte er sich vor. „Hallo, Ben“, vollendete ich die Vorstellung und schloss die Frage an: „Wo kommst du her?“ Er zeigte mit dem Stock in Richtung der Straße, von der ich gekommen war. „Da kann man leben?“, fragte ich ihn ungläubig, denn sein Äußeres war ganz anders als jenes Dorf. Er hatte einen Sidecut und die übrigen Haare in rosa und lila gefärbt. Seine Jeans war zerrissen und auch das Flanellhemd hatte schon bessere Tage gesehen, aber er sah nach Leben aus, ganz im Gegensatz zu jenem Dorf. Er grinste mich nur an und nickte: „Doch doch, man kann da leben. Nunja, zumindest schlafen und essen.“ „Und wo lebst du dann?“ Er atmete tief ein und schien zu überlegen. „Weißt du, ich besuche gerade meine Großeltern. Zwangsweise zwei Wochen lang. Meine Mutter hatte mich satt.“ „Aha“, sagte ich und ahnte, dass da noch eine ganz andere Geschichte dazugehörte, die man keinem Menschen erzählt, den man eben erst kennengelernt hat. Bevor eine unangenehme Stille aufkommen konnte, fragte ich ihn: „Magst du was essen? Ich hab ein großartiges Menü in knapp 30 Minuten zubereitet, ich brauche nur meinen kleinen Gaskocher aus dem Auto.“ „Fleisch?“, entgegnete er. „Nö, nur Reis, rote Linsen, Kokosmilch, Zwiebeln und Curry.“ Er schien mit der Antwort zufrieden und nickte leicht mit dem Kopf.

Wo die Welt noch in Ordnung ist (1)

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Kennt ihr diese Orte, die einen betrüben? Orte, die nachdenklich machen, weil sie zerfallen sind und kaum jemand sie bewohnt? So einen Ort fand ich, als ich mich mal wieder auf meinen inneren Kompass verließ und statt der Autobahn dieses kleine Kaff ansteuerte, welches früher mal ein gemütliches Touristendörfchen an der See gewesen sein mag, doch mittlerweile nur noch heruntergekommene und baufällige Häuser aufwies. Ein alter Mann blickte mich verkniffen an, er trug einen Blaumann und ein T-Shirt, welches womöglich mal weiß gewesen sein mag. Ich hielt an, um ihn nach dem Weg zu fragen: „Guten Tag, ich habe mich verfahren. Wie komme ich am schnellsten zur Autobahn?“, fragte ich ihn, doch er drehte sich nur wortlos um und ging über die Garageneinfahrt wieder in sein Haus. Ich blieb einen Moment an die Tür meines Autos gelehnt stehen und horchte in die Stille dieses Dorfes. Es war unheimlich ruhig. Ja, wirklich unheimlich. Ich schloss die Augen, um die Geräusche besser wahrzunehmen, doch statt einer inneren Ruhe stellte sich nur eine Paranoia ein, welche mir in den Kopf hämmerte, dass ich vermutlich gerade aus allen Häusern heraus angestarrt wurde und so setzte ich mich wieder in mein Auto und drehte den Autoschlüssel im Zündschloss herum. Das Brummen des Motors hatte mir noch nie so gut gefallen, wie in diesem Augenblick und ich folgte der Straße. Nach gut drei Kilometern fand ich einen verlassenen Freizeitpark. Es gab hier ein zerfallenes Riesenrad und ein paar kleine Häuschen. Diese Zuflucht lag direkt am Meer und nachdem ich meinen Wagen abgestellt hatte, zog es mich als erstes zum Steg hin, der noch immer ins Meer hinauszeigte. Er war aus Beton, seine Beine jedoch zeigten die rötlichen Rostspuren vom Metall. Endlich ein Geräusch, welches ich genießen konnte und so sog ich die frische Luft ein, um meine Nase und meine Lunge von dem ganzen Dreck zu reinigen, den ich tagtäglich einatme. Ich setzte mich ganz vorn an den Steg und schloss meine Augen. Dieses Mal mit dem Gefühl von Freiheit und Frieden. Ich legte mich auf den Rücken, während meine Beine vorn über dem Steg hingen. Das Gefühl für Zeit ging mir verloren, bis ich vom Knirschen der Kieselsteine geweckt wurde. Jemand näherte sich.

13 unter tausend

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Stellt dir vor, du bist unterwegs und du hast zwölf Freunde dabei. Ihr geht zu der Party, von der man euch mit leuchtenden Augen erzählt hat. Als ihr ankommt, merkt ihr, dass bereits tausend Leute da sind, die feiern. Der Türsteher lässt euch rein, aber er untersucht euch gründlich und zeigt euch die Ecke, in der ihr euch größtenteils aufhalten solltet.
Stell dir vor, einer von den tausend Leuten erklärt euch, dass ihr hier nicht mehr reinpasst. Tausend plus dreizehn sind zu viel.
Stell dir vor dieser eine Typ zerschmeißt das Fenster in deiner Ecke und demoliert die Wand. Er meint, du würdest die Party zerstören.
Stell dir vor, der Türsteher kümmert sich nicht um den einen Kerl, welcher pöbelt und auch nicht um die gröhlenden Leute hinter ihm, die dem Kerl zustimmen und ermutigen.
Wer zerstört jetzt eigentlich diese sonst so friedliche Feier?

Immer schön einfach

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Es ist schon über ein Jahrzehnt her, da sprachen Politiker von Verdrossenheit. Sie suchten die Schuld bei sich und fanden eine Erklärung, die mir damals nicht schmeckte, mittlerweile weiß ich weshalb.

Man hätte Sachverhalte nicht gut genug erklärt, sondern kompliziert diskutiert und deshalb würden immer weniger Menschen zur Wahl gehen. Das war damals die Ansicht und dementsprechend müsste man sich darin üben, Sachverhalte einfach darzulegen. Die kurzfristige und einfache Lösung wurde gesucht und der Weitblick vergessen.
Die Frage ist doch, ob Politik komplizierter geworden ist und deshalb simplifiziert werden muss? Ich bezweifelte es damals und ich tue es noch heute. Interessant ist doch viel eher, dass man gleichzeitig auf die Idee kam, Sozialkunde und Geschichte zusammenzulegen. Ein Lehrer, der Geschichte unterrichtet, soll auch Sozialkunde unterrichten. Dieses eine Fach, welches sich der politische Bildung annimmt, darf verkommen. Denn das Resultat aus dieser Idee ist, dass nicht ein politikbegeisterter Mensch ein Fach unterrichtet, von dem es ganz nebenbei mehr als eine Stunde in der Woche bräuchte, sondern eben ein geschichtsbegeisterter, welcher über einen schnellen Weg zu einem Soziologieabschluss kommt. Soziologie als Drittfach auf Lehramt ist eine unheimlich leichter Abschluss und kein eigenständiges Studium, welches zum Denken anregen würde.

Man hatte also bemerkt, dass den jungen Menschen das Interesse an Politik verloren ging. Statt in der Schule ein Fach zu fördern, welches das Verstehen für die Prozesse im Parlament und in der Gesellschaft vermitteln kann, lässt man es lieber verkümmern. Stattdessen vereinfacht man Politik lieber. Und wundert sich, warum die Menschen plötzlich jenen hinterherlaufen, die keine Lösungen kennen, sondern nur Probleme benennen, die zu lösen wären, von denen aber behauptet wird, dass wir sie nicht schaffen könnten.

Denkfehler

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Der größte Denkfehler von uns ist doch der, dass wir der Meinung sind, es besser zu wissen und besser zu machen, als die große Masse. Vielleicht hilft es ja, wenn wir begreifen, dass wir in diesem Fehlurteil vereint sind.

Die Fähigkeit einen Konsens zu finden zeichnet uns Menschen aus, dafür bedarf es keiner besonderen Begabung, einzig eine fundierte Meinung und die Fähigkeit einander zuzuhören, braucht es dafür. Wenn man jedoch davon überzeugt ist, dass man selbst vollkommen im Recht ist und die oder der Gegenüber somit im Unrecht, dann ist das keine Basis, um gemeinsam ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen.

Vertrauen scheint mir dabei die Grundlage zu sein. Vertrauen in eine ebenso weitsichtige Bereitschaft zum Zuhören und zum Revidieren der eigenen Gedanken beim Gegenüber. Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, dass ich einem Menschen begegnet bin, der nicht über solche Eigenschaften verfügt hätte. Die Bereitschaft war dann eher fragwürdig, aber ich gelange auch meist erst nach einer gewissen Zeit zu Erkenntnissen. Während ich manche Kritik frühzeitig abzublocken scheine, arbeitet diese weiterhin in mir weiter und wird durch meinen Kopf wie durch Kuhmägen geknetet und widergekäut, bis ich selbst zu einer neuen Ansicht gelange oder die Kritik als ungerechtfertigt abtue.

Entdecke ich einen Denkfehler bei einer anderen Person und kann diesen Fehler auch nach längerem Überdenken nicht anders bewerten, so versuche ich die Person da abzuholen, wo sie steht und sie nicht direkt mit dem Fehler zu konfrontieren. Ich merke auch, dass man solch einen Denkfehler gern überspitzt und jene Überspitzung dem Menschen vorwirft. Wie könnte dieser Mensch anders als mit Ablehnung darauf reagieren?

Ein Mensch handelt ständig und wird sich dabei immer anders verhalten, als es ein anderer Mensch für richtig hält. Das ist nicht schlimm, sondern ein Teil unseres Individualismus. Ich bin der Meinung, dass das eigene Handeln immer dem Wohl der Umwelt dienen sollte, wobei Umwelt alle Lebewesen einschließt. Ich weiß nicht, wie viele Menschen mir in diesen Gedanken zustimmen, aber ich glaube doch, dass die meisten Menschen ebenso denken. Nun stellt sich mir nur die Frage, warum es dann so viele unsinnige Diskussionen gibt, in denen zwei vollkommen verschiedene Welten aufeinandertreffen. Ist das unsere Inkonsequenz zwischen Ideal und Realität?

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