Singles und ihre Verhaltensweisen

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Ich mag es nicht, wenn andere Menschen wertend über andere Menschen schreiben und deswegen mache ich es auch selbst nur sehr ungern. Aber es gibt da so ein Phänomen des Single-Daseins, welches mir wieder auffällt.

Es beginnt schon an dem Punkt der Selbstdarstellung. Wer oder was bin ich? Ich selbst bin Single, aber in eine Selbstbeschreibung von mir würde ich es nicht packen, außer sie soll möglichst anonym sein. Ich würde es nicht etwa absichtlich verschweigen wollen, sondern mir käme gar nicht die Idee, mich darüber zu definieren. Den Typus Single, auf den ich mich beziehe, tut aber genau dies. Womöglich nicht wissentlich, aber doch, er bzw. sie tut es.

Es gibt die Facebookeinträge über gelesene Artikel zu Beziehung und Trennungen und dem Singleleben. Dann folgen Einträge, wie toll es ist, Single zu sein und darauf folgen Einträge, dass man gern einen Partner an seiner Seite hätte.
Das ist eben ein Facebook-Ding, denn man schreibt da einfach nichts Sinnvolles oder Tiefergehendes. Man schreibt stattdessen über das Essen und versieht den Beitrag noch mit einem passenden Bild oder man schreibt eben, wie gern bzw. ungern man allein ist oder wie toll bzw. untoll es ist, allein zu sein. Ich muss gestehen, dass ich mir nicht selten einen Golfball und einen Schläger dazu wünsche und jedes Mal versuchen würde, jenen Eintrag mit dem Ball abzuschießen.
!Werteste App-Entwickler, das ist Ihre Chance. Ich hab zwar kein Smartphone, was mit Apps umgehen kann, aber ich bin sicherlich nicht der einzige mit dem Gedanken!

Nun mal zu meinem Tipp:
Anstelle sich jene Artikel durchzulesen, die nicht hilfreich sind, sondern allein darauf abzielen, dass man als Leser sagt “genau so ist es”, irgendwas gaaanz anderes machen.
Ich jogge stattdessen ganz gern oder in den kurzen Pausen gönne ich mir so ein simples Computerspielchen a la Sudoku oder einem Minipuzzle. Da habe ich eine Ablenkung und ein positives Gefühl, weil ich einen kleinen Erfolg hatte.
Und wer weiß, vielleicht gerät dadurch ja auch der Gedanke in den Hintergrund, dass man Single ist. Was wiederum dazu führen könnte, dass man einfach mal Menschen kennenlernt, die man nicht darauf abcheckt, ob sie potenzielle neue Partner sein könnten. Was dann weitergehend dazuführen kann, dass man tatsächlich eine Person kennenlernt und man sich auf dieser Basis ineinander verliebt.

Die eigene Stadt – Teil 1

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Das Vogelgezwitscher bescherte ihm ein wohliges Gefühl. Genau das, wofür er hierhergekommen war. Abgesehen von wenigen abenteuerlustigen Touristen und Plünderern, war keine Menschenseele weit und breit und selbst jene blieben selten länger als eine Stunde. Es war sein kleines Paradies und so hatte er ein wunderschönes Wohnhaus mit höchster Kunst mit Farbe eingesprüht und mit seinem Namen „Maximilian“ versehen.

Seine Flucht an diesen Ort war eine Schnapsidee gewesen, doch ließ man ihm kaum eine andere Wahl. Schon früh hatte man seine außergewöhnliche Gesundheit festgestellt und die späteren Untersuchungen ergaben eine übergroße Leber. Seine Zellen regenerierten schneller als die anderer Menschen, doch warum sie das genau taten, wusste man nicht. Nicht wenige Ärzte nahmen Blutproben und testeten ihn immer wieder. Einer wollte ihn gar ganz aufschneiden, während ein Anderer eine Biopsie am Gehirn vornehmen wollte, denn womöglich wäre dort der Schlüssel um seine Gesundheit zu finden. Ein Heilmittel für jede Krankheit wurde gesucht und da gibt es keine moralischen Grenzen. Krebszellen trockneten einfach aus, wenn sie mit Max‘ Blut in Berührung kamen. Seit er neun war, verbrachte er seine Nachmittage in Krankenhäusern. Sein halbes Leben also, bis er ausriss und wieder nach der eigenen Freiheit suchte.

Als man ihn eines Nachmittags von der Schule abholen wollte, zuckte der Rektor nur mit der Schulter, Max sei den ganzen Tag nicht in der Schule gewesen. Der für ihn abgestellte Sicherheitsmann wurde wenig später in Max‘ Zimmer gefunden, gefesselt. Der erste Schritt in die Flucht ging schnell und einfach, doch schon in der Nacht flimmerte sein Gesicht über die Schirme der elektronischen Nachrichten und Fernsehanstalten. Ganz Europa suchte nach ihm und es machte ihm bewusst, wie gefangen er sein würde, wenn man ihn fände.

In der ersten Nacht klingelte er an der Tür seines ersten Arztes. „Engel“ stand auf der Klingel, doch Max hatte ihn ursprünglich Mengele genannt, weil er der erste war, der mit den Tests angefangen hatte. Er war aber auch der erste und der einzige Arzt, der sich später gegen die Behandlung stellte. Wem könnte Max vertrauen, wenn nicht ihm? Seine Eltern saßen in der Nervenheilanstalt. Sie hatten es gewagt, mit einer Klage zu drohen und kurze Zeit später stellte man fest, dass sie geistig nicht zurechnungsfähig waren und man ihnen das Sorgerecht entziehen müsste. Dr. Engel war damals aufgewacht und erkannte, welch Monstrum dem einen Menschen gegenüberstand. Er kämpfte am Rande des Möglichen und er war es auch, der Max ein Paradies vorschlagen sollte. Es war klar, dass Max auch bei Dr. Engel nicht sicher war und so lud er den Jungen neben einigen Lebensmitteln in seinen Wagen ein und sie machten sich in Richtung Osten auf.

Dystopie aufs Ohr

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Die gute Käthe bat mich hin und wieder auch mal über Musik zu bloggen und so tue ich ihr den Gefallen. Es geht um das Album „Black Ribbon“ von Shooter Jennings und seiner Band Hierophant. Die Hierophants gibt es unter dem Namen nur auf diesem Album und die Musik ist ein kunterbunter Mix, wenngleich sie immer ein wenig nach Rock duftet. Wer die Musik von Shooter oder seinen Vater Waylon Jennings kennt, der erwartet nun wohl Country oder Southern Rock, aber dieses Album will sich gar nicht so wirklich festlegen lassen. Man muss auch nicht die konservative Einstellung zur Politik oder gar zum Besitz einer eigenen Waffe mit dem Musiker teilen, um genießen und erleben zu können, was einem da geboten wird.

Das Album bietet verschiedenste Stücke, die immer wieder vom Radiosprecher „Will O’ The Wisp“ unterbrochen werden, welcher nur ganz nebenbei erwähnt Stephen King ist. Der Radiosprecher spricht aus dem letzten freien Radiosender zu seinen Zuhörern und stirbt am Ende gar (so viel darf man verraten). Ein grauselig düsteres Amerika wird präsentiert…

So viel zum Album und allem Drumherum, aber die Musik war es, weswegen ich überhaupt darauf aufmerksam wurde. Es begann mit „Fuck you, I’m famous“ (man darf hin und wieder auch mal den Mittelfinger präsentieren), welches ich in einer Californication-Folge erstmals hörte. Der Song ging mir sofort ins Gedächtnis und in die Glieder über. Nun hoffte ich auf weitere Song in der Machart und wurde enttäuscht. Oder eher getäuscht? Sagen wir einfach, dass ich gar nicht traurig war, dass es ganz anders kam. „Triskaidekaphobia“, also die Angst vor der 13, ging ebenso schnell in mein musikalisches Gedächtnis über, ebenso „All of This Could Have Been Yours“ (ist was für den Liebesschmerz), „California via Tennessee“ (fürs Fernweh) und „When the Radio Goes Dead“ (für mich ist es ein Stückchen wie Joggen, weil es langsam immer schneller wird). Ihr dürft die Songs gern selbst ihren Genres zuordnen.

Hier das gesamte Album

Lesungseindrücke

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Ich wurde gebeten, etwas zur Lesung zu schreiben, die ich am Samstag gehalten habe und so möchte ich das hier tun. Es wurde zwar Fotos geschossen, allerdings komme ich nicht so schnell an die Quelle, weswegen ich nichts in der Form beifügen kann.

Es verlief ein wenig unorganisiert, was aber normal ist. Laut Plan wollten wir 18 Uhr beginnen, jedoch fingen wir erst 18:15 damit an, den Raum herzurichten. Es gab zuvor Essen und da schmausten noch allerhand Leute, was dann später zu einer weiteren Verzögerung führte. Es gibt doch aber nichts schöneres, wenn man ganz ohne Hunger gemütlich beisammen sitzt und den Geschichten lauschen kann. Finde ich zumindest.

Wir waren zwei Leser und wussten von einer dritten Leserin, die sich als Joker entpuppte. Die erste Hälfte jedoch gestalteten mein Mitleser, ich nenne ich mal T., und ich gemeinsam und wechselten uns ab. Es war eine kurze, erste Hälfte, vielleicht 25 Minuten, die ich mit der ersten Hälfte des ersten Kapitels eines unveröffentlichten Romans (ich erwähne ihn hin und wieder mal und irgendwann gibt es ihn auch mal zu lesen. Versprochen) beendete. Die zweite Hälfte startete ich mit der Vorsetzung jener Geschichte und hörte kurz vor dem Ende der Erzählung, wie man flüsterte, dass es gruselig sei. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, denn ich wusste bereits, dass ein ganz fieser Cliffhanger folgen würde. Die Reaktion war entsprechend, denn es gab ein Stöhnen, dass ich gerade an der Stelle aufhörte. Ich übergab an unseren Joker und die las aus ihrem Buch vor, in dem sie berichtete, wie sie über Jahre ohne Geld lebte. Ich hatte anfangs Angst, dass es langweilig oder zu viel werden könnte, aber ganz im Gegenteil, das Publikum wollte noch mehr davon hören. T. und ich entschlossen uns, auf unsere weiteren Texte zu verzichten und so endete es mit den Erzählungen unserer Jokerin. Einfach grandios. Es war jeder eingeladen, etwas vorzulesen und ich hatte befürchtet, dass da womöglich auch großer Mist dabei sein könnte, stattdessen hatten wir da ein Highlight.

Wir wollten dann eigentlich eine Pause machen und womöglich noch Texte nachschieben, aber es folgte dann eher eine Partystimmung und so feierten wir, was eh der Plan gewesen war für den Anschluss. Es ging ein wenig drunter und drüber, was manch einen Menschen abschrecken könnte, aber mir gefiel es so. Es schafft mir die Möglichkeit, mich selbst nicht so perfekt anstellen zu müssen. So merkte ich erst nach dem zweiten Text, dass ich ständig direkt aufs Blatt schaute, welches auf dem Tisch lag. Keine schöne Pose, wenn die Leute einen anschauen und zudem verliert man einiges an Stimme dabei. Aber auch das war kein Problem und störte mich nicht. Perfektion erwartete niemand.

Für einen Gast

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Es gibt das Land der tausend Vulkane,

das mit der Pyramide in der blau-weißen Fahne.

Der Blick von außen sagt, dass die Menschen arm sind,

doch Kinder bekommen Essen und Schulbildung, was ich gut find.

Du Perle in der Kette zwischen Lateinamerika und USA,

gehst du deinen Weg: Nicaragua.

Vielen Dank an die Besucherin oder den Besucher, der mich ein wenig googeln ließ und mir dabei diese Zeilen durch den Kopf jagte.

Drauf scheißen oder durchbeißen?

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Schon als Kind begann es, als ich im Kinderzimmer saß und man mir sagte, ich solle aufräumen:

Drauf scheißen oder durchbeißen?

Etwas später dann sollte ich das Unkraut aus den Fugen kratzen:

Drauf scheißen oder durchbeißen?

Meinen Abschluss sollte ich machen:

Drauf scheißen oder durchbeißen?

Danach ab ins Studium oder ne Ausbildung:

Drauf scheißen oder durchbeißen?

Der Chef nervt mehr als die Arbeit und die ist schon ne Qual:

Drauf scheißen oder durchbeißen?

Als Rentner hockst du allein vor der Glotze, irgendwann wird es schon vorbei sein:

Drauf scheißen oder die Radieschen von unten anbeißen?

Hatte man nicht die ganze Zeit nur drauf geschissen und sich durchgebissen?

Statt nach den eigenen Vorstellungen zu handeln und dem eigenen Gewissen.

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Herr Karus

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Schwebend leicht bewegte sicher Herr I-Punkt Karus über den Boden. Er hatte sich bereits in einige Meter Höhe geschwungen, denn seine golden glänzenden Flügel waren ihm extra dafür angelegt worden. Sie hatten einen Aufdruck “made in heaven” und “zartschmelzend”, doch das hatte Herr I-Punkt Karus längst vergessen und mal ganz ehrlich, wie oft schaut man schon nach, wo etwas produziert wird. Den Boden hatte er lang nicht mehr berührt, denn zu groß war die Sehnsucht nach mehr Höhe. Die Flügel waren groß und stark genug, ihn über die Welt zu erheben, hätte er nur bedacht, dass er mit der Entfernung zur Erde, der Sonne näher kam. Jener Sonne, die seine Flügel glänzen ließ. Jener Sonne, die seine Flügel tropfen ließ. Jener Sonne, die seine Flügel schmelzen ließ.

Eine Lüge und eine traurige Wahrheit

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„Warum hab ich gerade Schluckauf?“, fragte die Fünfjährige ihre Mutter und während diese noch nach einer Antwort suchte, log ich dreist und behauptete, dass das passiert, weil ihr Vater gerade an sie denkt. Eine Lüge, die ich für legitim halte, erinnert sie das kleine Mädchen doch nur daran, dass er gerade womöglich auch zu Abend isst. Sie denkt an ihn und ich bin mir sogar sicher, dass er auch an sie denkt.

„Stimmt das wirklich, dass es schlechtes Wetter gibt, wenn man nicht aufisst?“ „Ja, aber deswegen helfe ich euch ja“, erklärte ich und ärgerte mich, dass ich schon ein zweites Mal an einem Abend flunkerte. Erst später überdachte ich jene Aussage und stellte fest, dass sie so falsch gar nicht ist, wenn man sie sinnbildlich betrachtet. Was wir so alles in Überfluss produzieren und wegwerfen, ohne es „aufgegessen“ oder „angerührt“ zu haben und befeuern damit die Unwetter und Naturkatastrophen.

Rostig

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Das Rauschen des Wassers hat schon etwas Ambivalentes. Es wirkt beruhigend und gleichzeitig wühlt es auf, wenn man direkt über dem künstlichen Wasserfall auf der Brücke steht. Mitten in der Nacht und außer mir selbst gibt es nur die Lichter der Kleinstadt zu meiner Linken und zu meiner Rechten. Eine wirkliche Verbindung ist diese Staustufe gar nicht, denn man kann sie nur zu Fuß erklimmen und muss das Rad dafür tragen. Überall schaut der Rost durch das Geländer, an dem an unzähligen Stellen die Farbe abgesplittert ist. Ein mildes Olivgrün hatte man einst aufgepinselt. Ich mag solche Plätze. Sie sind ebenso ambivalent wie das rauschende Wasser. Es sind große und feste Bauten, die Stück für Stück zerfallen. Langsam und stetig. Irgendwann.

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